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Polarfüchse in Island fotografieren

 
Nahaufnahme eines Polarfuchses mit weißem Fell im Winter
Ein Polarfuchs, fotografiert mit einem Teleobjektiv

 

Vor zehn Jahren zog Phil nach Island, um den Polarfuchs zu studieren und zu fotografieren. Sein Ansatz ist nicht nur künstlerisch und fotografisch, sondern auch wissenschaftlich. Er arbeitet mit dem Nature Institute of Iceland zusammen, um das Verhalten der Füchse zu dokumentieren. Außerdem bietet er Fototouren für Fotografen aus der ganzen Welt an, um respektvolle Begegnungen mit dieser schwer zugänglichen Tierart zu ermöglichen.

Phils Fotoreise nach Island

Meine Liebesgeschichte mit Polarfüchsen begann im Jahr 2012, als ich Island zum ersten Mal besuchte. Als Wildtierfotograf wollte ich einen Teil meines Urlaubs damit verbringen, einige Tierarten, die für Island typisch sind, aufzuspüren. Der Polarfuchs stand natürlich auf meiner Liste. Da ich in den französischen Pyrenäen geboren und aufgewachsen bin, hatte ich schon mehrere Begegnungen mit Rotfüchsen. Ich dachte, dass Polarfüchse ähnlich sein würden, aber bald wurde mir klar, dass das Fotografieren eines Polarfuchses eine ganz andere Geschichte ist.

Phil Garcia ist ein Experte für die arktische Tierwelt in Island

Island: Grandiose Landschaften und unendliche Weiten - eine Herausforderung

Island hat riesige weite Flächen, keine wirklichen Wälder und nur sehr wenige Futterquellen für Dauerbewohner wie den Polarfuchs. Daher muss jeder Fuchs (oder jedes Paar) ein riesiges Revier haben, um genügend Nahrung zu finden und den strengen arktischen Winter zu überleben. Einen kleinen und sehr gut getarnten Fuchs auf 20 Quadratkilometern unberührtem Land zu finden, ist eine ziemliche Herausforderung. Mir war schnell klar, dass dies viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Aber ich mag Herausforderungen.

Das Terrain kennenlernen

Zwei Jahre später zog ich nach Island, um für das isländische Naturinstitut Polarfüchse zu dokumentieren und zu fotografieren. Die ersten Jahre sind jedoch äußerst frustrierend. Ich verbringe Wochen auf dem Feld, ohne einen Hinweis auf einen Fuchs zu sehen. Ich spreche mit Landwirten und Jägern, aber niemand kann mir zuverlässig weiterhelfen. Meinen allerersten Fuchs sehe ich im Moor, hunderte von Metern entfernt. Danach einige zufällig, die aber weglaufen. Und schließlich eine nahe Begegnung mit einem Fuchs, der nur wenige Meter von mir entfernt aus dem Nebel auftaucht. Meine Ortskenntnisse und die Kenntnisse über die Gewohnheiten der Füchse werden immer besser und ich sehe sie immer häufiger. Ich finde heraus, dass sie in manchen Gegenden sehr scheu sind und in anderen eher gelassen.

Expertenwissen: Sind alle Polarfüchse im Winter weiß?

Nicht alle Polarfüchse färben sich im Winter weiß, auch wenn viele Menschen das glauben. Nur die Füchse der weißen Morphe (die eine spezielle Genkombination haben) werden von Oktober bis April weiß. Die übrigen Füchse (die sogenannten blauen Morphen) haben das ganze Jahr über ein braunes Fell. In Island sind nur 40 % der Füchse der weißen Morphe zuzuordnen, der Rest gehört der blauen Morphe an.

60% der isländischen Polarfüchse bekommen im Winter keine weißes Fell

Die besten Tipps für Polarfuchs - Fotografie

Den Fuchsbau in Ruhe lassen

Als Tierfotograf sollte man meinen, dass der beste Ort zum Fotografieren einer Tierart der ist, an dem sie lebt. Wie bei vielen anderen Tieren auch, ist auch bei den Füchsen der Bau der zentrale Punkt des Reviers. Allerdings ist der Fuchsbau im Frühjahr nur ein Unterschlupf für die Jungen und daher ein Bereich, den sie verteidigen müssen. Die Füchse werden extrem gestresst, wenn man sich ihrem Bau nähert, besonders wenn sie Junge haben. Sie wollen keine Menschen auf den Wegen zu ihrem Bau sehen. Lektion gelernt: Wenn man sich mit einem Fuchs anfreunden will, sollte man sich seinem Bau nicht nähern.

Niedliches Polarfuchsjunges schaut neugierig von der Wiese auf
Ein neugieriges Polarfuchsjunges

Dorthin gehen, wo es Fressen gibt

Statt auf den Bau kann man sich auf die Gebiete konzentrieren, in denen die Füchse Nahrung suchen. Das sind die Steilküsten der Seevögel, die Strände und die Nistplätze der Sperlings- und Watvögel. Diese Stellen sind viel leichter zu finden als ein Fuchsbau und eignen sich gut, um die Füchse zu fotografieren, ohne sie zu stören. Die Füchse sind dort viel entspannter. Wenn man einen Fuchs beim Jagen sieht, sollte man versuchen, ihn während seiner Jagd zu fotografieren. Wenn er jedoch Futter mit sich trägt, sollte man ihm nicht folgen, denn er wird einen niemals zu seinen Jungen führen. Man zwingt ihn nur dazu, einen großen Umweg zu machen, um einen loszuwerden, oder seine Beute an einem Ort zu verstecken, wo sie von einem anderen Tier gestohlen werden könnte.

Braune Polarfuchs Mutter und Junges beim Kuscheln
Kuschelzeit ist angesagt ♥️

Niemals Köder verwenden, um ein Foto zu bekommen

Lege niemals Köder aus oder füttere die Füchse auf irgendeine Weise für ein Foto. Dies führt dazu, dass die jungen Füchse nicht lernen, wie sie selbst richtig Nahrung finden können. Füchse, die im Sommer gefüttert werden, sterben wahrscheinlich im nächsten Winter.

Fernglas mit langer Brennweite mitbringen

Sei ein passiver Beobachter, benutze ein Fernglas und ein Objektiv mit langer Brennweite, um auf Abstand bleiben zu können. Füchse sind von Natur aus neugierig und werden sich dir irgendwann nähern und dich inspizieren, wenn du dich in einem Bereich aufhältst, den sie für sicher halten. Lass den Füchsen genügend Raum, damit sie friedlich leben und dir ihr interessantestes Verhalten zeigen können.

Warum der Winter die beste Zeit für die Wildtierfotografie ist

Der Winter ist eine gute Zeit, um Polarfüchse zu fotografieren. Sie sind entspannter und ihre Aktivität ist stark reduziert, weil sie Energie sparen müssen, da es nicht viel Nahrung gibt. Das Ende des Winters (Februar-März) ist auch die Zeit der Paarung, so dass sie sich präsentieren und ihr Revier kontrollieren müssen. Sie werden lauter und die Männchen kämpfen und zeigen ihr territoriales Verhalten. Das Fell der Füchse ist flauschiger und die Landschaft ist wunderschön mit Schnee bedeckt. Der Winter ist einfach eine wunderbare Zeit zum Fotografieren!

ein einzelner weißer Polarfuchs im Winter
Ein einsamer Polarfuchs auf Nahrungssuche im Winter

Die richtige Ausrüstung für das Polarfuchs - Abenteuer

Wie die Füchse muss auch der Fotograf / die Fotografin auf das arktische Wetter vorbereitet sein. Warme Handschuhe, Stiefel und Kleidung sind natürlich ein Muss. Sie müssen in erster Linie nach ihrer Wärmeleistung, aber auch nach ihrer Atmungsaktivität ausgewählt werden, da man wahrscheinlich viel wandern wird, um die Füchse zu finden. Deshalb ist es gut, eine Ausrüstung zu haben, die in mehreren Schichten getragen werden kann, wie die Handschuhe des HEAT LAYER SYSTEM, das sich an die verschiedenen Wetterbedingungen und an die Wander- und Stehzeiten anpasst. Da Island ein recht exponiertes Land ist, muss die Kleidung auch vor möglichen Regen- und Schneefällen schützen. Kopf, Füße und Hände sind besonders gefährdet und müssen bequem eingepackt werden. Bewährt haben sich bei besonders kalten Bedingungen als zusätzliche Wärmequelle Sohlenwärmer für warme Füße und Handwärmer für Handschuhe oder Jackentaschen, um die Finger warm und beweglich zu halten.

Die Handschuhe sind ein entscheidender Teil der Ausrüstung, da sie die Hände warm und geschützt für den Einsatz bereit halten. Meine Handschuhe von The Heat Company sind eine Kombination aus einem Innenhandschuh für Wärme und Komfort und einem Außenhandschuh für den Schutz. Während der innere Fingerhandschuh Komfort und Wärme bietet, schützt der äußere Fäustling vor den Elementen und kann mit einem Reißverschluss geöffnet werden, damit man mit den Fingern die Knöpfe der Kamera leichter erreichen kann. Alle Handschuhe haben zusätzliche Einschubtaschen für Wärmepads, um die Finger warm und jederzeit einsatzbereit zu halten. Die Wärmepads sind natürliche Produkte, die mit dem Sauerstoff reagieren und 12 Stunden lang Wärme abgeben, was angesichts der kurzen Tage im Winter völlig ausreichend ist. Sie enden oft in meinem Schlafsack, wo sie noch warm sind, wenn ich mich schlafen lege. In der Zwischensaison und im Sommer habe ich immer den  Wind Pro Liner dabei, welcher ein großartiger Schutz gegen den eisigen Wind ist, der jederzeit auftreten kann.

Ausrüstung zum Fotografieren von Polarfüchsen
Ausrüstung für das Polarfuchs - Abenteuer

Die richtige Ausrüstung für dein Polarfuchs-Abenteuer

Hier findest du alles, was du auf deine Reise mitnehmen musst, wenn du Polarfüchse in Island fotografieren willst.

Kamerasystem

Seit zwei Jahren fotografiere ich nun mit einem spiegellosen Kamerasystem, der Canon R5. Die R5 ist eine großartige Kamera, denn sie ist leicht, verfügt über viele Pixel zum Zuschneiden und hat ein erstaunliches Autofokussystem, das dem Auge des Motivs folgt. Das funktioniert bei Füchsen sehr gut, da das System auf Haustiere und insbesondere auf Hunde trainiert ist, die den Füchsen vom Aussehen her ähnlich sind. Das hat die Chancen auf scharfe Bilder, die man von einem herumlaufenden Fuchs bekommen kann, deutlich verbessert.

Objektive

Was die Objektive angeht, so habe ich lange Zeit ein 2,8/300 verwendet, bin aber vor kurzem zu einer leichteren Variante mit einem 100-500mm Canon RF-Zoom übergegangen. Um ehrlich zu sein, vermisse ich die große Blende für die weichen, verschwommenen Hintergründe, aber mein Rücken freut sich über den leichteren Rucksack, vor allem, wenn er mit einem Zelt, Schlafsack und Essen für eine Woche gefüllt ist.

Manchmal habe ich auch ein RF 70-200mm für Bilder von Landschaften oder Füchsen in ihrer Umgebung dabei, und ein Sigma 1,8/14mm für Nordlichter im Herbst und Winter.

Akkus, Multiwärmer und Regenschutz für die Objektive

Auch das Zubehör ist sehr wichtig. Ich nehme immer 2 Akkus und einen Multiwärmer pro Aufnahmetag mit und verzichte nie auf einen Regenschutz für mein längeres Objektiv. Das ist zu jeder Jahreszeit nützlich, denn in Island gibt es nur selten einen ganzen Tag ohne Regen, Nebel oder Schnee.

Extra Winter-Tipp Nr. 1: Verwende einen Wärmer für deine Extra-Akkus

Ein zusätzlicher Tipp für den Winter, den ich mit auf den Weg geben kann, ist die Verwendung eines Multiwärmers im Rucksack in der Nähe von den Extraakkus. Die Wärme des Multiwärmers verhindert das schnellere Entladen, wenn die Temperaturen unter Null sinken. Das Wärmekissen sollte jedoch nicht unmittelbar mit den Akkus in Berührung kommen, da diese Dinger sehr warm werden können!

Multiwärmer Wärmekissen für Ersatzbatterien
Ein Multiwärmer in der Nähe der Ersatzakkus verhindert, dass sich diese bei Kälte schneller entladen.

Fernglas

Schließlich habe ich immer mein Fernglas dabei. Die ganze Zeit, die ich mit dem Beobachten mit dem Fernglas verbringe, ist für die fotografischen Ergebnisse zielführender als die Zeit, die ich mit der Kamera in der Hand verbringe. Die Füchse sind äußerst schlau und können den Menschen sehr leicht austricksen. Der einzige Schlüssel zu guten Bildern liegt darin, die Tiere kennenzulernen, sie zu verstehen und mit der Zeit ihr Vertrauen zu gewinnen.

Extra Wintertipp Nr. 2: Wie getrocknete Nüsse und Früchte im Winter helfen können

Eine weitere Sache, die ich von meiner isländischen Freundin Ester gelernt habe, die mit mir die Füchse studiert, ist, immer eine Packung mit getrockneten Nüssen und Früchten bei sich zu haben. Wenn du stundenlang in der Kälte stillstehen musst, um auf die Füchse zu warten, oder mit dem Fernglas die Unendlichkeit absuchst, iss einfach alle 5 Minuten ein paar Nüsse, um dein Verdauungssystem in Gang zu halten. Das wärmt deinen Körper auf natürliche Weise auf und macht dich nicht dick, da die Kalorien sofort verbrannt werden.

Polarfuchs-Fototouren mit Phil in Island

Phil bietet im Sommer und Winter Fotoreisen für Polarfüchse und isländische Vögel an. Er kennt die besten Plätze und vermittelt sein Wissen über die Tiere und die beste Möglichkeit, die Tiere auf ethische Weise zu fotografieren, ohne sie zu stören oder ihr Leben in Gefahr zu bringen.

Sieh dir Phil's Fotoreisen hier an www.explographe.com

Porträt des Fotografen von Polarfüchsen Phil Garcia @explographe
Phil Garcia ist ein echter Experte für Polarfuchsfotografie mit über 10 Jahren Erfahrung

Zum Autor:

Phil Garcia ist ein französischer Fotograf, der in den Westfjorden Islands, der abgelegensten Region des Landes, lebt. In den letzten 10 Jahren war er an wissenschaftlichen Studien des isländischen Nature institute of Iceland beteiligt und hat das raue Leben des Polarfuchses (Vulpes lagopus) und anderer Arten in Island ausführlich dokumentiert. Er hat zwei Fotobücher über den Polarfuchs in Island veröffentlicht und war an mehreren Dokumentarfilmen beteiligt, die auf Arte oder BBC ausgestrahlt wurden.